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Der Autor

Wer spricht, wenn eure KI für euch spricht?

Ein Impuls von Daniel Hambach zur Frage, wie KI im Arbeitsalltag verlässlich und passend zur eigenen Organisation antworten kann.

Eine Mail an eine Kundin. Ein Beitrag für LinkedIn. Eine Antwort im Support-Chat. Jemand im Team bittet die KI um Unterstützung und bekommt einen Text zurück, der zwar ordentlich klingt, aber austauschbar bleibt. Der eigene Ton fehlt. Eine erkennbare Haltung auch. Das kennen viele Organisationen. KI einzuführen ist leichter, als sie im Alltag wirklich zu verankern. Denn eine gute Antwort entsteht nicht allein durch das richtige Modell oder einen gut formulierten Prompt. Sie braucht den passenden Kontext.

Mehr Werkzeuge lösen nicht jede Wissenslücke.

Als ich 2023, kurz nach der Veröffentlichung von ChatGPT, nach unserem Positionierungsdesign-Ansatz fragte, hat mich die Antwort überrascht. Sie brachte unseren Ansatz erstaunlich genau auf den Punkt. Ich habe damals verstanden, welches Potenzial darin liegt, wenn KI mit dem richtigen Wissen arbeiten kann.

Seitdem beschäftigen mich zwei Fragen: Wie können wir mit unseren Daten und den Daten unserer Kund:innen sicher und verantwortungsvoll arbeiten? Und was muss eine Organisation bereitstellen, damit KI nicht nur gut formuliert, sondern Antworten gibt, die fachlich stimmen und zur Organisation passen?

Wenn eine Antwort nicht überzeugt, richten wir den Blick schnell auf das Werkzeug: besser prompten, ein anderes Modell ausprobieren, eine Schulung besuchen oder einen weiteren Assistenten einrichten. Das kann im Einzelfall helfen. Es schafft aber noch keine gemeinsame Wissensgrundlage. Ein neuer Chat kennt nicht automatisch die Entscheidungen, Erfahrungen und Zusammenhänge, die an anderer Stelle in der Organisation liegen.

Es fehlt oft nicht an Dokumenten, sondern an Zusammenhang.

Ein KI-Modell bringt allgemeines Wissen mit. Was eure Organisation konkret leistet, wie sie arbeitet und welche Entscheidungen für sie gelten, muss sie aus eurem eigenen Wissen erfahren.

Dieses Wissen ist oft vorhanden, aber verteilt: in Dateien, persönlichen Chats, einzelnen Systemen und den Köpfen von Menschen. Manchmal ist es dokumentiert, aber nicht so geordnet, dass die richtige Anwendung den passenden Zusammenhang findet. Mehr Dokumentation allein löst das nicht. Entscheidend ist, Wissen so zu strukturieren und zu verbinden, dass Menschen und Anwendungen es finden, verstehen und nutzen können.

Fehlt dieser Kontext, kann eine Antwort plausibel klingen und trotzdem nicht zu eurer Organisation passen. Ist relevantes Wissen zugänglich, bekommt die KI eine bessere Grundlage. Das macht eine Antwort nicht automatisch richtig. Es verbessert aber die Bedingungen, unter denen sie entstehen kann.

Leuchtende Werbetafel mit der Überschrift „Echt stark!“ in pinker Schrift, darunter Textblöcke. Zwei Personen an einem Stehtisch, rechts eine weitere Person an einem Stand mit blauer Werbeflagge. Rot beleuchteter Boden, schwarze Stühle, im Hintergrund der Schriftzug „SOUVENIRS“ und weitere Messe-Stände.

Organisationswissen hat eine sachliche und eine menschliche Seite.

Damit KI passend antworten kann, müssen zwei Seiten des Organisationswissens zusammenkommen: die sachlichen Informationen und das Wissen der Menschen.

  • Die sachliche Seite umfasst Fachwissen, Prozesse, Produkte, Preise und Strukturen. Sie beantwortet Fragen wie: Was bieten wir an? Wie läuft ein Prozess ab? Welche Fakten gelten?
  • Die menschliche Seite zeigt, wie eine Organisation denkt und handelt. Dazu gehören Haltung, Werte, Erfahrungen und die Art, wie Menschen Beziehungen gestalten. Dieses Wissen steht nicht immer in einer Prozessbeschreibung. Es zeigt sich auch in Entscheidungen und im Umgang miteinander.

Fakten beschreiben, was eine Organisation tut. Identität und Haltung geben Orientierung dafür, wie dieses Wissen einzuordnen ist und wie die Organisation kommuniziert und handelt. Fehlt eine der beiden Seiten, bleibt das Bild unvollständig.

Markenwissen gibt dem Kontext Richtung.

Markenwissen bringt die sachliche und die menschliche Seite zusammen. Es beschreibt nicht nur Leistungen, sondern auch, wofür eine Organisation steht und welchen Anspruch sie an ihre Arbeit hat.

Unser Positionierungsdesign-Kompass ordnet dieses Wissen in sechs Handlungsfelder: Identität, Organisation, Leistung, Markt, Profilierung und Kommunikation. Identität und Organisation machen sichtbar, was eine Organisation prägt und mit welchen Menschen und Fähigkeiten sie arbeitet. Leistung und Markt richten den Blick auf das Angebot und den Nutzen, den Anspruchsgruppen darin suchen. Profilierung und Kommunikation zeigen, wie die Organisation wahrgenommen wird und wie sie auftritt.

So entsteht ein Zusammenhang, an dem sich unterschiedliche Bereiche orientieren können. HR kann Fachlichkeit, Zusammenarbeit und Haltung in die eigene Arbeit einbeziehen. Sales kann Leistungen mit dem Nutzen für Kund:innen verbinden. Marketing kann Kommunikation entwickeln, die zur Organisation passt. Geschäftsführung und Business Development können Vorhaben und Entscheidungen an Identität und Ausrichtung spiegeln.

Der Wert liegt nicht nur darin, Wissen zu bewahren, wenn eine erfahrene Person die Organisation verlässt. Es geht auch darum, vorhandenes Wissen zwischen Menschen und Aufgaben nutzbar zu machen.

Vom Markentresor zur Anwendung im Alltag.

Mit dem Markentresor und dem Markenhub beschreiben wir einen Weg, Wissen aufzubauen und im Alltag zugänglich zu machen. Der Markentresor ist die strukturierte Wissensbasis. Er führt kuratierte Inhalte zusammen und hält ihre Zusammenhänge fest. Der Markenhub ist die Anwendungsebene: Mitarbeitende können dort auf ausgewähltes Wissen zugreifen und es für konkrete Aufgaben nutzen, etwa für eine Frage zur Marke oder zur Prüfung eines Entwurfs anhand der eigenen Leitlinien.

Wir beginnen dabei nicht mit der Frage, welches Werkzeug angeschlossen werden soll. Zuerst klären wir, welches Wissen eine Anwendung braucht, wie es geordnet wird und wer fachlich dafür zuständig ist, es freizugeben und aktuell zu halten. Dafür beziehen wir die Menschen ein, die dieses Wissen in der Organisation tragen.

Das Wissen soll für Menschen lesbar und für KI nutzbar sein. In der Präsentation zeige ich dafür ein offenes Textformat wie Markdown: Inhalte bleiben lesbar und können grundsätzlich auch dann weiterverwendet werden, wenn sich Modell, Plattform oder Anbieter ändern. Die konkrete technische Umsetzung hängt von der jeweiligen Architektur ab. Wichtig ist, dass Wissen und Pflegeprozess nicht an ein einzelnes Werkzeug gebunden sind.

Was nehmt ihr mit?
Wenn ihr über KI in eurer Organisation entscheidet, fragt nicht nur, welches Modell ihr einsetzen wollt. Fragt auch:

  • Welches Wissen braucht die Anwendung, damit sie fachlich und inhaltlich passend antwortet?
  • Wie werden Fakten, Erfahrungen, Haltung und Entscheidungen so verbunden, dass ihr den Zusammenhang wiederfindet?
  • Wer ist fachlich zuständig, prüft Inhalte und hält sie aktuell?
  • Können Mitarbeitende eine Antwort und ihre Grundlage einordnen und bei Unsicherheit selbst urteilen?
  • Bleiben Wissen und Pflegeprozess erhalten, wenn ihr das Modell oder die Plattform wechselt?

Vor diesem Hintergrund beginnt verlässliche KI nicht beim nächsten Werkzeug. Sie beginnt mit einer klaren Grundlage: relevantem Wissen, nachvollziehbaren Zusammenhängen und geklärten Zuständigkeiten.

Denn wenn eure KI für euch spricht, spricht sie mit dem Wissen, das ihr ihr zugänglich macht. Je klarer dieser Kontext ist, desto besser kann sie Antworten geben, die zu eurer Organisation passen.

Mann mit schwarzer Brille und dunkler Kleidung steht neben einem weißen Stehpult mit schwarzem Laptop. Im Hintergrund eine weiße Leinwand mit projiziertem Text: "Entscheidungs- und Kommunikationssicherheit wird belastbarer, wenn Unternehmenswissen nicht nur in den Köpfen Einzelner oder in persönlichen Chats liegt, sondern erfasst, geprüft und strukturiert wird – damit Menschen und KI damit arbeiten können." Raum mit weißen Wänden und roten Vorhängen links.