Kommunikationsdesigner
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Die Grenzen zwischen künstlich erzeugten und realen Bildern verschwimmen zunehmend. Mit dem Update „Nano Banana“ in Photoshop erreicht die KI-Bildgenerierung eine neue Qualitätsstufe, die selbst dem geschulten Auge kaum mehr erkennbare Unterschiede bietet. Ein Wendepunkt, der sowohl Chancen als auch tiefgreifende Fragen aufwirft.
Die letzten zwei Jahre waren geprägt von KI-generierten Bildern und Videos, denen man ihre künstliche Herkunft noch deutlich ansah – denken wir etwa an den viel diskutierten Coca-Cola-Spot. Doch diese Phase verlassen wir nun. Mit Tools wie Nano Banana werden KI-generierte Bilder immer schwerer von echten Aufnahmen zu unterscheiden. Und die Entwicklung schreitet weiter voran.
Ein beeindruckendes Beispiel: Ein schnell mit dem Smartphone aufgenommenes Foto unserer GB-Akkuladestation verwandelt sich durch den richtigen Prompt binnen Sekunden in ein professionelles Produktbild. Wer Erfahrung mit Bildbearbeitung hat, erkennt sofort die revolutionäre Qualität: Nicht nur der Hintergrund wurde ausgetauscht – das gesamte Objekt wurde in der Perspektive gedreht und mit realistischen Licht- und Schattenverhältnissen versehen.
Diese Entwicklung führt zu einer enormen Zeitersparnis, die künftig von Gestalter:innen erwartet werden wird. Wer diese Technologie nicht nutzt, wird für einen großen Teil der Kundschaft möglicherweise nicht mehr erschwinglich sein.
Ein weiteres Beispiel: Ein schlecht aufgenommenes Selfie, versehen mit dem Prompt „professional photo of a man in a suit“, zeigt plötzlich eine Version des eigenen Ichs in Business-Kleidung. So sähe ich also aus wenn ich in Finanzen gemachte hätte. Und warum nicht gleich als Händler im alten Rom?
So unterhaltsam diese Möglichkeiten sind, so bewusst müssen wir uns der Risiken sein: Bild- und Videomaterial verliert endgültig seine Autorität als Beweismittel. Die Gefahr von Falschinformationen wächst exponentiell. Große Bevölkerungsgruppen mit glaubhaften aber gefälschten Nachrichten zu versorgen, wird einfacher denn je. Selbst im privaten Umfeld sollten wir über „SafeWords“ nachdenken. Wie können wir uns noch sicher sein, ob die Person im Videocall wirklich die Person ist, von der wir es glauben.
Für uns als Gute Botschafter stellt sich die zentrale Frage: Wie „echt“ sind solche Bilder? Und ist es vertretbar, damit Markenwelten zu inszenieren?
Unsere Antwort: Es kommt auf die Dosis und den Kontext an. Inszenierung ist in der Markenkommunikation nicht neu und längst etabliert. Jedes Werbefoto, das uns begegnet, ist auf bestimmte Weise inszeniert und in diesem Sinne „unecht“. Seit Jahrzehnten werden Bilder konstruiert, um Marken ins rechte Licht zu rücken. Lediglich das Werkzeug hat sich geändert.
Allerdings hat diese Inszenierung Grenzen. Gerade dort, wo es um dokumentarische Darstellung geht – etwa bei NGOs – haben Anspruchsgruppen ein Recht darauf zu wissen, wie die Realität tatsächlich aussieht. Bildmanipulationen, geschweige denn vollständige Generierungen, würden hier die Glaubwürdigkeit grundlegend beschädigen.
Vielleicht stehen wir vor einer neuen Chance, Bilder neu zu denken. Ähnlich wie der Fotoapparat das realistische Malen einst überflüssig machte und den Weg für Impressionismus und Expressionismus ebnete, könnten wir nach neuen visuellen Ausdrucksformen suchen.
Die spannende Frage lautet: Wie sieht visuelle Kommunikation aus, die KI nicht nachzeichnen kann? Welche authentischen, menschlichen Bildwelten bleiben unverwechselbar und echt in einer Welt der perfekten digitalen Illusion?
Wir entwickeln das Gute zur treibenden Kraft Eures Erfolgs – auch in einer Zeit, in der Authentizität und Glaubwürdigkeit neue Definition erfahren.